Das Wort für Samstag, 19. Mai 2012

Ich will warten auf den Herrn, der sein Angesicht verbirgt vor dem Haus Jakobs, und will auf ihn hoffen.

Jesaja 8,17

Nur auf Gott wartet still meine Seele; von ihm kommt meine Rettung.

Psalm 62,2

Konzeption der Hauskreisarbeit in der Gemeinde am Weidkamp, Essen

1. Biblische Grundlagen: Die Erfahrungen der ersten Gemeinden

Ein Grund, sich mit dem Thema „Kleingruppen“ auseinanderzusetzen, ist ganz biblisch. Die Urgemeinde machte Erfahrungen mit zwei Strukturen, die für die messianische Bewegung notwendig und verbindlich waren. Sie trafen sich als Kleingruppen in „Hausgemeinden“. Zusätzlich trafen sich die Christen einer Stadt oder eines Ortes zum gemeinsamen Gottesdienst. Diese Doppelstruktur findet sich in den Berichten der Apostelgeschichte und überall im Neuen Testament wieder. Jesus selbst lebte diese Struktur vor, indem er die zwölf Jünger um sich scharte und ihr Lehrer war.
Außerdem betete er in der Synagoge und sprach zu großen Menschenmengen. Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte erfahren wir, dass sich nach der Pfingstpredigt des Petrus über 3 000 Menschen in Gruppen organisierten, die sich in Privathäusern trafen, aber auch in Jerusalem als ganze Gemeinde im Tempel zusammenkamen.
Auch nach einer Zeit öffentlicher Predigten, hingebungsvoller Dienste, Zeichen und Wunder und kontinuierlichem Wachstum (vgl. Apostelgeschichte 2, 47; 4, 4; 5, 14) trafen sie sich immer noch im Tempelhof und in Privathäusern (Apostelgeschichte 5, 42).
In der Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 42 - 47 erfahren wir, dass die ersten Christen:

Als sich die Bewegung über Jerusalem hinaus ausbreitete, breitete sich auch die Doppelstruktur mit aus. Von Lukas wissen wir, dass Paulus und Silas nach ihrer Befreiung aus dem Gefängnis in Mazedonien die Gemeinde besuchten, die sich im Haus der Lydia versammelte (Apostelgeschichte 16, 40). In Ephesus lehrte Paulus die Christen sowohl in großen Versammlungen als auch in Privathäusern (Apostelgeschichte 20, 20). Paulus weist in zweien seiner Briefe auf die Hausgemeinde von Korinth hin, die sich im Haus von Prisca und Aquila traf (Römer 16, 5; 1. Korinther 16, 9). Die Bewegung scheint nicht nur in jeder Stadt, die sie erreichte, kleine Hausgemeinden gegründet, sondern deren Multiplikation auch bewusst gefördert zu haben.

Kleingruppen bildeten also die tragende Struktur des frühen Christentums.

2. Praktische Umsetzung
Die Verantwortung unserer Gemeinde für eine Kleingruppen-, bzw. Hauskreisarbeit erwächst aus den 5 Gemeindezielen, die vom Ältestenkreis vorgestellt wurden: „Gott lieben“, „Gegenseitig dienen“, „Glauben mitteilen“, „Gemeinschaft leben“ und „Geistlich wachsen“.
Besonders aus den folgenden Gemeindezielen:

Gott lieben, Stichwort: Anbetung
Wir achten das biblische Verständnis von Gemeinde: als "Tempel Gottes", in dem Gott zu finden ist und in dem Gott angebetet wird, vgl. 1.Korinther 3,16; 2. Korinther 6,16

Gegenseitig dienen, Stichwort: Dienen
Hauskreise bieten die enorme Chance, etwas einzuüben, was im Gemeindeganzes so auch Standard sein sollte: Ehrenamtliche Mitarbeiterschaft.

Glauben mitteilen, Stichwort: Evangelisieren
Hauskreise realisieren Basiswerte von Gemeinde. Sie geben dem Glaubensthema Priorität, d. h. der missionarisch-evangelistische Auftrag der Gemeinde wird verwirklicht.

Gemeinschaft leben, Stichwort: Gemeinschaft
Epheser 2, 16: Und dass er beide (Juden und Heiden) versöhnte mit Gott in einem Leibe durch das Kreuz, und hat die Feindschaft getötet durch sich selbst.
Ein wichtigster Aspekt der Versöhnung ist die Eingliederung in die Gemeinde Jesu. Das bedeutet, Menschen in die Gemeinschaft aufnehmen, dadurch sind sie Teil der Gemeinschaft (Epheser 3, 6 … mit eingeleibt). Der Auftrag von Jesus ist: Nehmt sie in eure Gemeinschaft auf. Gebt ihnen in der Gemeinde die Möglichkeit, ihre Gaben und Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln und auszuüben.
Wir brauchen die Gemeinschaft anderer Christen um im Glauben wachsen und reifen zu können. Glaube ist immer persönlich, nie privat.
Als Christen sind wir nicht nur berufen, für uns selbst in unserem Herzen an Jesus zu glauben, sondern auch dazu, zum Leib Christi zu gehören (1. Korinther 12). Wir wollen ansteckende, lebendige, offene und herzliche Gemeinde sein, indem wir Gemeinschaft miteinander haben, uns untereinander austauschen und Anteil nehmen aneinander. Wir wollen das Gespräch miteinander suchen und dem anderen liebevoll begegnen.

Geistlich wachsen, Stichwort: Jüngerschaft
Matthäus 28, 19 - 20: Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
Wir haben als christliche Gemeinde den Auftrag, Menschen zu ermutigen, in ihrem Christsein zu reifen, das heißt, Jesus Christus nachzufolgen (vgl. 1. Petrus 2, 21), ihm zu gehorchen (vgl. Römer 1, 5) und Frucht für ihn zu bringen (vgl. Galater 5, 22). Sie sollen zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus befähigt und darin bestärkt werden, Gott und die Mitmenschen zu lieben, wie Jesus es getan hat. Jesus spricht hier von der „Nachfolge“. Der theologische Fachbegriff zu dieser Lebensbewegung ist „Jüngerschaft“.
Die Gemeinde muss darum vielfältige Möglichkeiten bereitstellen, dass Christen im Glauben wachsen können.
Die natürlichen Orte, wo dies geschieht, sind unter anderem die Gottesdienste, die verschiedenen Gemeindeseminare, die Seelsorge und die Kleingruppen- bzw. Hauskreisarbeit u. v. m. Da die Gottesdienste keinen Raum für das persönliche Gespräch geben können, leisten die Kleingruppen als kleinste Gemeindezelle bei der gegenseitigen Unterstützung in der Jüngerschaft eine große Hilfe.
In liebevoller Gemeinschaft von Christen kann Lebensveränderung im Glauben und Seelsorge intensiv erfahren werden. Ziel ist es, eine christliche Gemeinde zu bauen, deren Mitglieder bestrebt sind, Gott die Ehre zu geben, gemeinschaftlich liebevoll miteinander umzugehen und suchende Menschen auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen und zu begleiten.

3. Die Ziele unserer Gemeinde sind auch für die Hauskreisarbeit verbindlich.

4. Wie Kleingruppen eine Gemeinde lebendig machen können.

5. Die Hauskreise sind grundsätzlich offen für andere Teilnehmer/innen und bereit, ihren Kreis zu erweitern.

Da Hauskreise nicht endlos wachsen können, müssen sich die Teilnehmer/innen in Absprache mit dem Hauskreisleiter bzw. dem Leiter der Hauskreisarbeit rechtzeitig mit dem Problem der Teilung bzw. Neugründung auseinandersetzten. Der Leiter der Hauskreisarbeit ist auch Ansprechpartner und Koordinator für die Integration von Menschen, die einen Hauskreis suchen.

6. Um einer Teilung bzw. Neugründung des Hauskreises langfristig zuarbeiten zu können, überlegen die Verantwortlichen zusammen mit den Teilnehmer/innen, wer die Aufgabe eines Co-Leiters / Co-Leiterin übernehmen und auch benannt werden könnte.

7. Die Verantwortlichen der Hauskreisarbeit treffen sich regelmäßig zweimal im Jahr zu einem Lei-tertreffen.
Der von den Ältesten eingesetzte Leiter der Hauskreisarbeit lädt zu dem Treffen ein.

8. Vernetzung der Hauskreisleiterinnen und –leiter, um das Profil der Hauskreise im vielstimmigen Chor der Gemeinde abstimmen zu können, um Fortbildung organisieren zu können, zu hören, wo der Schuh drückt oder wo die Gemeinde initiativ werden sollte.

9. Die Ältesten geben in Absprache mit dem Leiter der Hauskreisarbeit von Zeit zu Zeit für die Ent-wicklung der Gemeinde speziell themenorientiertes Material in die Hauskreise. Darüber hinaus können die Hauskreise Themen nach eigner Wahl erarbeiten.

Gemeinsam wollen wir vom Offenen Himmel erzählen. Miteinander wollen wir die Netze auswerfen, Menschenfischer sein. Nicht, damit uns Menschen ins Netz gehen, aber damit Menschen davon hören, dass der Himmel offen ist, dass Gott Lust am Menschen hat und so Menschen Lust an Gott bekommen. Dazu segne Gott Kleingruppen und Gemeinden.